
Im Zeichen der internationalen Kooperation ging es im Rahmen des Erasmus+ Programms „Job Shadowing“ für uns, Frau Sieglinde Bauer und Herr Franz Josef Gretsch, nach Namibia. Unser Ziel: Windhoek, eine Stadt der Kontraste, in der afrikanisches Temperament auf europäisches Erbe trifft.
Die kurze, aber prall gefüllte Woche sollte uns pädagogische Goldschätze und wertvolle Einblicke in die soziale Arbeit unter den Bedingungen des südlichen Afrikas liefern. Aber wir flogen nicht alleine. Mit an Bord waren fünf Studierende der Fachakademie für Sozialpädagogik des zweiten Studienjahres, die wir
die erste Woche ihres dreiwöchigen Praktikums begleiten und betreuen durften.
Wir tauschten den nasskalten November Deutschlands gegen das sommerliche Flair Windhoeks, wo uns am Samstag nach dem elfstündigen Hinflug die angenehmen Temperaturen begrüßten.
Nachdem die Studierenden und wir die Unterkunft bezogen hatten, stand der Sonntag im Zeichen der Kultur. Unsere engagierten Studierenden hatten bereits im Vorfeld ein vielschichtiges Programm organisiert, das uns sofort ins pulsierende Leben der Stadt katapultierte.
Die Stadtrundfahrt führte uns vorbei an wilhelminischer Architektur, die unvermittelt neben modernen Gebäuden stand. Beim Besuch des historischen Bahnhofs und auf den Straßen war die deutsche Vergangenheit an vielen Ecken noch sichtbar – eine faszinierende, teils auch nachdenklich stimmende, historische Dissonanz. Gleichzeitig tauchten wir in das lebendige Treiben eines lokalen Marktes ein, wo uns die Gerüche von Gewürzen und das bunte Treiben betörten. Der Besuch in dieser Township zeigte uns schonungslos die sozialen Herausforderungen und schärfte unseren Blick für die Notwendigkeit kreativer pädagogischer Lösungen.
Der Montag startete mit unserem fachlichen Hauptanliegen: dem Besuch des Delta-Kindergartens. Die Besichtigung der Räumlichkeiten und das intensive Gespräch mit der Leitung verdeutlichten, wie man mit viel Herzblut und bemerkenswerter Ressourcenorientierung Frühpädagogik gestaltet. Besonders beeindruckt hat uns die Art und Weise, wie die Erzieherinnen und Erzieher die Mehrsprachigkeit in den Gruppen als Chance nutzten. Die drei Studentinnen, die dort ihr Praktikum machen, wurden bereits voll in den laufenden Betrieb integriert.
Am Dienstag stand die Hospitation im Waldorf-Kindergarten auf dem Programm. Die friedvolle Atmosphäre und die konsequente Anwendung der Waldorfpädagogik, angepasst an lokale Gegebenheiten und Materialien, lieferte uns reichlich Material für den fachlichen Austausch. Auch hier konnten wir mit Freude sehen, wie die zwei Studentinnen im Praktikum mitarbeiteten und die Kinder betreuten.
Der Mittwoch widmete sich der kirchlichen und sozialen Landschaft. Wir trafen Vertreter der evangelischen Landeskirche, besichtigten die Christuskirche – ein weiteres architektonisches Zeugnis der Historie.
Als weiteren wertvollen Impuls besuchten wir das soziale Projekt „Hephata“, das Menschen mit Benachteiligungen eine Heimat und einen Ort der Integration bietet. Die tiefe Menschlichkeit und das unermüdliche Engagement des Teams vor Ort waren zutiefst bewegend und lieferten uns wertvolle Perspektiven auf das breite Feld der Sozialpädagogik.
Der Donnerstag markierte bereits den Rückflug. Während unsere fünf Studierenden noch weitere zwei Wochen im Praktikum blieben, kehrten wir mit Koffern voller positiver Erinnerungen, hervorragendem Essen und vor allem mit zahlreichen wertvollen pädagogischen Impulsen für unsere Arbeit nach Deutschland zurück.
Die Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand zu blicken und die globale Dimension des Lehrens und Lernens zu erfassen sowie zu erleben, wie die fünf Studierenden ihren Auslandsaufenthalt kompetent meistern, war der größte Gewinn dieser Reise. Dieser Austausch stärkt nicht nur unsere Arbeit, sondern baut wichtige Brücken zwischen den Kontinenten. Ein großes Dankeschön an das Erasmus+ Programm und die großartige Unterstützung unserer Studierenden.
S. Bauer, FOLin & F.J. Gretsch, StD