Während der Ausbildung am BSZ Neustadt an der Waldnaab hatte Antonia Fröhler sich entschieden, für drei Wochen nach Wien zu gehen, um ein wenig Auslands- und Praxiserfahrung zu sammeln. Ein Schritt mit weitreichenden Folgen ...

Bereits vor Ort konnte Antonia durch ihre offene Art und das pädagogische Know-How überzeugen. Es gefiel ihr so gut, dass sie mit unserem Kooperationspartner dem Montessorihaus, Reisnerstraße, in Wien vereinbarte, ein 12-monatiges Auslandspraktikum zu absolvieren und somit weitreichende Praxiserfahrungen zu sammeln.

Seit August 2022 arbeitet Antonia in Wien.

 

In ihrem Blog schildert sie uns ihre Erfahrungen und Erlebnisse.

 

Abschlussbericht

Mein Auslandspraktikum – Als deutsche Berufspraktikantin in Wien, Österreich mit dem Erasmus+ Programm

 

Während meiner Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin hatte ich die einzigartige Gelegenheit, mein einjähriges Berufspraktikum in einem Montessori Kinderhaus in Wien, Österreich, zu absolvieren. Die Entscheidung für diesen Standort fiel mir leicht, als meine Fachakademie verschiedene Kooperationspartner vorstellte. Die Faszination für die Stadt Wien, deren Schönheit und kulturelle Vielfalt, beeinflusste maßgeblich meine Wahl. Abstammend aus Bayern, Deutschland, führte mich mein Weg über die Grenzen hinaus, um nicht nur fachliche Kenntnisse im Erziehungsbereich zu erlangen, sondern auch einen interkulturellen Blickwinkel und neue Perspektiven auf die pädagogische Praxis zu gewinnen.

 

Warum bin ich ins Ausland gegangen?

 

Die Entscheidung für einen Auslandsaufenthalt während meiner Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin wurde von mehreren Faktoren geleitet. Primär verfolgte ich das Ziel, mein Fachwissen im pädagogischen Bereich zu erweitern, indem ich Einblicke in verschiedene pädagogische Ansätze und Praktiken gewann. Ein Auslandsaufenthalt bot mir die Gelegenheit, über den Horizont meines bisherigen Erfahrungsschatzes hinauszublicken und eine breitere Perspektive auf die Montessoripädagogik zu erhalten. Ich bin bis heute überzeugt davon, dass das der richtige Weg für mich und meine pädagogische Arbeit war und dass diese Erfahrung nicht gleich gewesen wäre, wenn ich in meinem Heimatort geblieben wäre. Darüber hinaus war es für mich auch eine persönliche Herausforderung, da ich die Möglichkeit nutzen wollte, alleine zu wohnen. Dies sollte meine interkulturelle Kompetenz stärken und mich in meiner persönlichen Entwicklung voranbringen.

 

Wer hat mir geholfen?

 

Während meines Auslandsaufenthaltes hatte ich das Glück, einen engagierten Lehrer als Ansprechpartner zu haben, der mit mir von der Schule aus in regelmäßigem Kontakt stand. Er stand mir bei Fragen und Anliegen stets unterstützend zur Seite, was meinen Aufenthalt besonders angenehm machte. Darüber hinaus nutzte ich die Gelegenheit, mich mit Erasmus-Schüler: innen der vergangenen Jahre auszutauschen. Diese Erfahrungen ermöglichten mir nicht nur wertvolle Einblicke in ihre persönlichen Herausforderungen und Erfolge, sondern trugen auch dazu bei, mein Netzwerk zu erweitern.

 

Was habe ich erlebt?

 

In Wien erlebte ich nicht nur die kulturelle Vielfalt der Stadt durch zahlreiche Café-, Restaurant-, Schloss- und Museumsbesuche, sondern auch beeindruckende pädagogische Momente während meines Praktikums. Besonders herausragend waren die Montessori-Geburtstagsfeiern, die festlich im Jahreskreis mit Eltern und Freunden stattfanden und durch Bilder und wichtige Rituale gestaltet wurden. Ebenso durfte ich den wöchentlichen Waldtag erleben und dabei die Vorteile für Kinder in der Natur entdecken, darunter die Förderung der motorischen Fähigkeiten, die Stärkung der Sinne und die positive Auswirkung auf die emotionale Entwicklung.

 

Im Bewegungsraum mit Hengstenberg-Geräten und Co. erfuhr ich, wie vielseitig und bewegungsfördernd diese genutzt werden können, um den Kindern Bewegungssicherheit zu vermitteln. In der Montessori-Kleinkindgemeinschaft war ich einige Stunden pro Woche tätig und konnte beobachten, wie Montessori-Prinzipien von Anfang an umgesetzt werden können. Besondere Höhepunkte waren für mich die verschiedenen Feste, wie das Nikolausfest mit Nikolausbesuch und Festtagsjause, das Faschingsfest mit Stationen-Aufbau, Kasperltheater und Krapfen essen, sowie Ostern mit Eiersuche und einem feierlichen Bilderbuchkino. Nicht zu vergessen das Laternenfest mit einem festlichen Laternenumzug durch den Stadtpark und einem dazu passenden Rollenspiel. Auch die täglichen Materialarbeiten haben mir in der Umsetzung mit den Kindern Freude bereitet. Diese Erlebnisse haben meine pädagogischen Perspektiven erweitert und mein Verständnis für die Bedeutung von Ritualen im kindlichen Alltag vertieft.

 

Was ist mir in Erinnerung geblieben?

 

Die Grundlage des Konzepts beruht auf der Arbeit nach Maria Montessori. Die Kinder hier im Montessori-Haus werden als vollwertige Wesen und als Lernende angesehen und genau so wird auch mit ihnen kommuniziert; achtsam, wertschätzend und sehr sachlich.

Auch ich habe mir schnell diese Art zu kommunizieren angeeignet und bemerkt, was diese für positive Auswirkungen auf das Kind hat. Die Lernenden zeigen sich somit auch in dieser Rolle nämlich selbstsicher, zuversichtlich und mutig.

Ich kam zu dem Entschluss, dass Kinder nicht nur auch komplexere Satzstrukturen und Redewendungen verstehen, und dass unsere Sätze nicht immer rein kindgerecht formuliert werden müssen, sondern auch, dass diese gewählte Kommunikation ihren eigenen Sprachstil durchaus positiv beeinflusst.

Im Kinderhaus wird zudem sehr viel Wert auf Eigeninitiative und Selbstständigkeit gelegt. Durch das offene Konzept wird von den Kindern partizipativ erwartet, sich für einen Raum und eine Pädagogin/einen Pädagogen zu entscheiden, was das Montessori Prinzip der „freien Wahl“ gerecht wird. Dieses Prinzip versuchen wir den Kindern auch während des Tagesablaufs zu ermöglichen, wenn es zu bestimmten Aktivitäten kommt.

Sie können hierbei wählen zwischen dem sogenannten großen Raum, dem Buchstabenraum, dem Zahlenraum, und einem Atelier. Wie ich es auch schon im ersten Austausch mit meiner Betreuungsperson vor Ort beschrieben habe, fand ich die Auseinandersetzung mit den Materialien zunächst etwas beängstigend. Mich überkam ein so unwohles Gefühl, nicht vertraut genug mit den Materialien zu sein. Diese Sorge legte sich jedoch sehr bald, da mir entweder die Kinder selbst ganz stolz gezeigt haben, wie eine Arbeit funktioniert oder ich die Informationen von den Kolleginnen erhalten habe.

Oft war es auch spannend mir gedanklich bestimmte Vorgehensweisen selbst zu erschließen und im Anschluss erst nach genauer Information zu fragen. Das empfand ich auch sehr positiv am Material, dass man sich den Ablauf größtenteils selbst erschließen konnte und dass er viel Raum zur Eigenkontrolle und somit auch zur Selbsterkenntnis bietet.

Man spricht bei der Anwendung des Materials von sogenannten „Darbietungen“. Diese Darbietungen erfolgen meistens gleich oder in ähnlichen Variationen. Oftmals ist für einen Lerngegenstand mehr als eine Darbietung vorgesehen. Das Montessorimaterial wird in unterschiedliche Materialgruppen unterteilt: Übungen des praktischen Lebens, Arithmetik und Geometrie, Sprache und Schrift, Sinnesmaterialien, Musik, Naturwissenschaften und Kunst.

 

Ich fand die beschriebenen Arbeitsgruppen so interessant, dass ich mich während meines Anerkennungsjahres dazu entschlossen habe, die Montessori Zertifikatsausbildung zu absolvieren, um mein Wissen in diesem Bereich zu vertiefen und somit vertreten zu können. Seit August arbeite ich nun als vollwertig anerkannte Erzieherin im Montessorihaus und bin die Bezugspädagogin für eine Kindergruppe aus 3-4-Jährigen, die ich gemeinsam mit einer Kollegin leite.

Was ist mein Resümee?

 

Abschließend kann ich mit Überzeugung sagen, dass mein Auslandspraktikum in Wien meine Sicht auf die Betreuung und Erziehung von Kindern dank der Montessoripädagogik nachhaltig verändert hat. Die Vielzahl an pädagogischen Erlebnissen hat meinen Horizont erweitert und mir einen unheimlichen Erfahrungsschatz geschenkt. Die praxisnahe Anwendung der Montessori-Prinzipien hat mir nicht nur ein tieferes Verständnis für die Bedürfnisse der Kinder vermittelt, sondern auch gezeigt, wie eine respektvolle und individuelle Förderung die kindliche Entwicklung positiv beeinflusst. Ich kann jedem nur wärmstens empfehlen, eine solche Erfahrung zu machen, um nicht nur fachlich zu wachsen, sondern auch persönlich von den einzigartigen Einblicken und Erlebnissen zu profitieren.

 

 

 

Dezember 2023

Bericht über die Nikolausfeier im Montessorihaus Reisnerstraße

Die Nikolausfeier im Montessorihaus Reisnerstraße war ein zauberhaftes Ereignis, das von den Kindern, den Pädagogen und Eltern gleichermaßen mit Vorfreude erwartet wurde. Als Pädagogin im Kindergarten hatte ich gemeinsam mit einer Kollegin die besondere Aufgabe, die Kinder im Rahmen der Morgenkreise auf diese festliche Veranstaltung vorzubereiten.

Vorbereitung: In den Wochen vor der Feier widmeten wir uns in den Morgenkreisen intensiv der Vermittlung von Nikolaus-Traditionen. Gemeinsam mit meiner Kollegin studierten wir den Ablauf der Feierlichkeit ein, indem wir viele Nikolauslieder und Gedichte einübten. Diese kreativen Aktivitäten sollten nicht nur zur festlichen Stimmung beitragen, sondern auch die sprachliche und musikalische Entwicklung der Kinder fördern.

Geschichte der Schuhputzer: Am Tag der Feierlichkeit erhielten wir Besuch von einem Mitarbeiter des Kinderhauses, der die Kinder mit einer bewegenden Geschichte über die Anfänge von St. Nikolaus als Schuhputzer bekannt machte. In einem einfühlsamen Rollenspiel im Morgenkreis stellten wir gemeinsam mit den Kindern das Schuheputzen nach, um die Bedeutung von Empathie und Hilfeleistung zu verdeutlichen.

Lieder und Geschenke: Die Feier selbst begann mit fröhlichen Nikolausliedern, die die Kinder mit Begeisterung sangen. Jedes Kind erhielt dabei ein kleines Säckchen, gefüllt mit Mandarinen, Nüssen und Schokolade, als süße Belohnung für ihre Teilnahme und ihre Bemühungen. Ein besonderer Höhepunkt war dabei, als unser Kollege vor den Kindern das traditionelle Bischofsgewand, die Stola und die Mitra anzog, um die Identität von Nikolaus respektvoll zu wahren. Abgerundet wurde dieser feierliche Tag mit einer süßen Festtagsjause.

Weihnachtsspiel "Die Geschichte des winzig kleinen Tannenbaums": Als krönender Abschluss vor den Weihnachtsferien versammelten sich alle Kinder und Pädagogen des Hauses zu einem besonderen Ereignis. Zwei Pädagoginnen trugen das herzerwärmende Weihnachtsspiel "Die Geschichte des kleinen Tannenbaums" vor. Die Geschichte regte nicht nur die Fantasie der Kinder an, sondern vermittelte auch die Wertschätzung der kleineren Freuden am Leben.

Die Vorführung wurde von gemeinsamen Weihnachtsliedern begleitet und schuf eine festliche Atmosphäre, die die Verbundenheit und Freude aller Beteiligten unterstrich.

Fazit: Die Nikolausfeier als auch die Vorweihnachtszeit war ein voller Erfolg, und die Kinder erlebten nicht nur eine unterhaltsame Veranstaltung, sondern gewannen auch Einblicke in die Bedeutung von Traditionen. Durch die kreative Gestaltung der Morgenkreise und die Einbindung von Geschichten und Rollenspielen gelang es uns, den Kindern eine lebendige und lehrreiche Feier zu bieten, die die Vorfreude auf die kommenden Festtage noch verstärkte.

 


November 2023 

Bericht über das Laternenfest im Montessori Kinderhaus

Das diesjährige Laternenfest im Montessori Kinderhaus war ein unvergessliches Ereignis voller kreativer Aktivitäten und gemeinschaftlicher Freude. Als Pädagogin im ersten Jahr hatte ich die Gelegenheit, diese besondere Tradition mit den Kindern zu erleben und zu gestalten.

Die Vorbereitungen für das Laternenfest begannen Wochen im Voraus als wir gemeinsam mit den Kindern die bekannten Martinslieder sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch einstudierten. Die Kinder zeigten eine begeisterte Teilnahme. Während wir die Geschichten von Sankt Martin und seinen selbstlosen Taten besprachen, sangen und tanzten die Kinder mit großer Freude.

Ein kreativer Höhepunkt war die Gestaltung der Laternenfenster in unserer Gruppe. Hierfür entschieden wir uns für eine faszinierende Batik-Technik unter Verwendung von Kerzenwachs und roter Farbe. Die Kinder waren von der Möglichkeit begeistert, ihre eigenen Laternen mit einzigartigen Mustern zu schaffen. Die Kerzenwachs-Batik ermöglichte es den Kindern, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und gleichzeitig eine Verbindung zur Tradition des Laternenfestes herzustellen.

Am Tag des Laternenfestes strahlten die Laternen der Kinder in den unterschiedlichsten Mustern und Farben. Die Stimmung war von Aufregung und Vorfreude geprägt, als sich die Kinder mit ihren Laternen versammelten, um gemeinsam durch die Dunkelheit zu ziehen. Die selbst gestalteten Laternen schufen eine atmosphärische Beleuchtung und trugen zur Magie dieses besonderen Abends bei. Um die Bedeutung des Laternenfestes weiter zu vertiefen, entschieden wir uns in dieser Woche, die Geschichte des heiligen Sankt Martin mithilfe eines Kamishibais zu erzählen. Die Kinder waren fasziniert von den Bildern und der Erzählung, die die Geschichte des Teilens und der Nächstenliebe veranschaulichte. Dies half dabei, den pädagogischen Aspekt des Festes zu betonen und die Werte der Solidarität und Großzügigkeit zu vermitteln. Insgesamt war das Laternenfest im Montessori Kinderhaus ein beeindruckendes Ereignis, das nicht nur die kreative Entfaltung der Kinder förderte, sondern auch eine tiefe Verbindung zu traditionellen Werten und Geschichten herstellte. Die strahlenden Gesichter der Kinder und ihre Begeisterung während des Festes waren ein bewegender Ausdruck der gemeinschaftlichen Freude, die durch solche Veranstaltungen im Montessori-Kontext geschaffen werden kann.